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Feldbrand

Mich interessiert seit Ende des letzten Jahrtausends wie man Ton findet, aufbereitet, formt und im offenen Feldbrand brennt. Sozusagen als experimentell-archäologisches Experiment.

BILD: Verschiedene im offenen Feldbrand gebrannte Tonobjekte.
Verschiedene im offenen Feldbrand gebrannte Tonobjekte.

Finden

Ton findet man in verschiedenen Farbtönen. Guter Ton ist glitschig, läßt sich zu dünnen Würstchen rollen und klebt nach dem trocknen an den Händen, statt wie schluffiger (sandstaub enthaltener) Ton zu zerpulvern. Auch Lehm kann man direkt brennen und/oder aufbereiten. Auch hier gilt; umso plastischer der Lehm umso besser.

Zuerst wurde ich im Raum Köln in einem Bach in der Nähe einer Pfeifentongrube aus der frühen Neuzeit fündig, die ich auf einem Messtischblatt entdeckte. Ein hellgrauer Ton der weiß brennt. Ein paar Jahre später habe ich entdeckt, das der braune Hochflutlehm des Rheins sich ebenfalls erstaunlich gut brennen lässt (er darf aber nicht schluffig sein).

Aufbereiten

BILD: Tonaufbereitung.
Das aufbereiten des Ton's.

Sowohl der Pfeifenton als auch der Hochflutlehm lässt sich - wenn keine Steinchen über 1mm drin sind - auch schon so brennen. Für dickwandige Tonobjekte ist das sogar besser. Aber für feinere Sachen sollte er aufbereitet werden. Nachdem der Lehm in Wasser aufgelöst ist, wird der dünnflüssige Brei durch ein - nicht zu feines - Gewebe gefiltert (ich verwende einen alten Strumpf).

Der gefilterte Tonbrei wird jetzt über Nacht stehen gelassen. Der Ton ist jetzt zu Boden gesunken und man kann das Wasser ganz vorsichtig abgießen. Der jetzt dickflüssige Tonbrei wird entweder staubgeschützt ausgebreitet (beispielsweise auf einem alten Backblech, oder ähnliches), oder in einen nicht glasierten Tontopf gegossen. Nach einigen Tagen sollte soviel Wasser verdunstet sein, das er die richtige Konsistenz hat.

Jetzt muss die Luft raus geschlagen werden! Das ist sehr wichtig, da Luftbläschen den Ton beim brennen sprengen können. Dies geschieht durch kneten und schlagen auf einer glatten sauberen Fläche bis er eine gleichmäßige Konsistenz hat. Jetzt ist der Ton einsatzbereit.

Formen

BILD: Verschiedene Modell's aus Gips.
Verschiedene Modell's aus Gips.

Da es mir am Anfang mehr um die Methode des Brennens ging, als um die Ergebnisse, habe ich zuerst einfach kleine Ziegelchen gebrannt. Später kamen einige Stempel dazu und kleine Modells für Andenken und Anhänger. Zusammen mit einem Kinderpoststempel (auswechselbare Buchstaben), brenne ich auch heute noch gelegentlich kleine Andenken in den Feuern von Vollmondtreffen, Jahreskreisfesten, oder zu sonstigen Gelegenheiten.

Brennen

Vorausetzung zum brennen ist, das die Objekte knochentrocken sind! Obwohl in Afrika große Tonkrüge im offenen (und erstaunlicherweise zeitlich recht kurzen) Feldbrand nur mit trockenem Gras gebrannt werden, gelingt es mir selbst nur sehr kleine Objekte im offenen Feldbrand zu brennen. Und auch diese zerspringen oft, wenn sie zu abrupt mit der Hitze des Feuers in Kontakt kommen. Umso größer bzw. dickwandiger die Objekte sind, umso langsamer und gleichmäßiger müssen sie heiß werden. Liegt auch am verwendeten Ton und an Art und Menge des Zuschlags.

Ich lege meine Objekte deshalb oft zwischen zwei Halbscheite, oder lege sie auf ein Brettchen und decke sie mit etwas Sägemehl zu, bevor ich sie vorsichtig ins Feuer lege. Man kann das Brenngut aber auch - gut isoliert mit Sägespänen und auf Holzscheiten - vor dem entzünden des Feuers ganz unten in den Holzhaufen einbauen.

Umso länger und heißer das Feuer brennt, umso besser wird der Brand. Ich habe zwar auch schon glühende Stücke mit einem Stock direkt aus dem Feuer gepuhlt, ohne das mir was zersprungen wäre, aber grundsätzlich sollte der Brand langsam abkühlen, um Spannungen zu vermeiden. Gerade etwas größere Objekte zerspringen gerne, wenn sie zu schnell oder ungleichmäßig abkühlen.

Die technische Seite

Das in den Tonmineralen gebundene Wasser ist erst bei 500° Grad vollständig verdampft. Danach bilden sich bei über 600 °C die ersten Schmelzen, die die Pulverteilchen verkitten. Eine Keramik, die beim Anschlagen hell klingen soll, muss also mindestens bis zu dieser Temperatur gebrannt werden. Von 1000 °C an bildet sich ein neuer Kristall (Mullit).

Allerdings zerschmelzen manche Tone und der meiste Lehm auch schon zwischen etwa 900° - 1200° Grad. Die weiß brennenden Pfeifentone kann man angeblich bis zu 1400° Grad hoch brennen. Temperaturen über 1000° Grad sind aber mit einem normalen Holzfeuer so gut wie nie zu erreichen!

Weitere Links zum Thema!


Abbildungen:
[1] Comicfigur gezeichnet von Dirk Schmitt für diese Seiten, © H. Felder
[2] Fotos, fotografiert von H. Felder

Quellen:
[1] Handwerk-Heft 1 - Die fahrende Töpferwerkstatt
[2] Wikipedia über die technische Seite der Keramik

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