Navigation

Sie sind hier: Computer > Die Wahl der Qual; Linux Desktop-Oberflächen

Die Wahl der Qual; Linux Desktop-Oberflächen

BILD: Screenshot einer sebstgebastelten Oberfläche.
Debian Basis-System plus openbox, plank, tint2, pcmanfm = 172MB

Was erwarte ich von einer grafischen Desktop-Oberfläche?

Ich möchte sowohl mit der Maus als auch mit Shortcuts Programme starten und Dateien auflisten, kopieren, verschieben oder löschen. Ein Panel mit Taskleiste und Systemtray und ein paar Infos wie Datum/Uhrzeit, RAM-Verbrauch/CPU Auslastung hätte ich auch noch gerne. Und - wenn es geht - auch ein Dock. Die Oberfläche muss jetzt auch nicht unbedingt potthässlich sein, aber Reaktionsschnelligkeit und – meinem Workflow entgegenkommende – Funktionalität kommt ganz klar an erster Stelle.

Desktop Lebenslauf

Ich habe 12 Jahre vor Amiga-Desktops verbracht. 2002 versuchte ich es mit WindowsXP. Mit der Oberfläche kam ich klar; mit dem Rest nicht! So kam ich auf freie Software und GNU/Linux. Ich entschied mich für Debian mit Gnome 1.4. Wirklich begeistert war ich von der Oberfläche nicht.

2004 bekam ich Debian auf meinem neuen Notebook gar nicht zum laufen, aber ein SuSE-Linux mit KDE 2.x lief recht gut. Die KDE-Oberfläche empfand ich als Erholung gegen Gnome 1.4.

2007 installierte ich Ubuntu mit Gnome 2.x. Es war nicht so granuliert konfigurierbar wie KDE, aber es kam mir von der Bedienung sehr entgegen. Und die Oberfläche und das System selbst waren von Ubuntu hoch poliert. Ich hatte zum ersten Mal ein Linux-System, wo (fast) alles auf Anhieb funktionierte! Ich war begeistert…

Leider wurde das gute Gnome 2.x von seinen Entwicklern in die Tonne getreten und Ubuntu 12.04 kam mit einer eigenen Oberfläche namens »Unity«. Auch mit der Bedienung von Gnome 3.x wurde ich nicht warm (das ist auch so eine »Deppen-Desktop« wie Unity und Windows 8.x). KDE kommt seit Version 4 für mich auch nicht mehr in Frage; XFCE war irgendwie nie mein Ding (weder Fisch noch Fleisch). Und dem Gnome 2.x Fork »MATE« habe ich als damaliges »Ein-Mann-Projekt« keine Zukunft zugetraut.

Ab 2013 nutzte ich wieder Debian; mit LXDE. Letztendlich habe ich das ressourcenschonendste System gewählt. In Debian ist LXDE völlig unpoliert und es knirschte an einigen Stellen; ich konnte vieles richten, musste aber auf einige gewohnte Automatismen verzichten. Allerdings lernte ich auch die Reaktionsfreudigkeit von LXDE zu schätzen.

Zeit für neue Wege

Eine neue Installation stand an. Und LXDE wird bald nicht mehr weiterentwickelt. Der Nachfolger heißt LXQT und verwendet die QT-Bibliotheken. Diese verbrauchen – wie auch die Gnome 3.x-Bibliotheken – mehr RAM. Es muss was Neues her!

Warum ist mir der RAM-Verbrauch so wichtig?

Schließlich haben heutzutage die Computer doch reichlich RAM. Ja, aber ich werde das gewählte System auf vielen alten Laptops installieren. Wenn selbige nur 1GB RAM haben, ist es eben ein Unterschied, ob nur die Oberfläche schon über die Hälfte des RAMs belegt oder nur 20%.

RAM Verbrauch der verschiedenen Desktop-Umgebungen

Ich habe mir ISOs mit verschiedenen Oberflächen für Debian 9 (Stretch), AMD64, runtergeladen und sie als ISO in Virtualbox ausgeführt (oder installiert), ein Terminal geöffnet und »free -h« ausgeführt (used). Je nach dem, was man sich noch so installiert und welche Dienste aktiviert werden, kann der RAM-Verbrauch nach einer individuellen Nutzerinstallation explodieren, aber um mal einen Überblick mit in etwa gleichen Bedingungen zu haben, scheint mir die Tabelle brauchbar.

Stand vom 10.07.2017 (nach RAM sortiert):

Desktop Version Bibliothek RAM MB
Basis - - 141 MB installiert
Openbox+* 3.6.1? - 172 MB installiert
LXDE 0.99? GTK 2+ 195 MB Virtualbox
XFCE 4.12 GTK 23+ 218 MB Virtualbox
MATE 1.16 GTK 23+ 224 MB Virtualbox
LXQT 0.11? QT 5 233 MB installiert
Cinnamon 3.2.7 GTK 3+ 438 MB Virtualbox
Gnome 3.22 GTK 3+ 558 MB Virtualbox
KDE 5.8 QT 5 587 MB Virtaulbox

*Debian Basis-System plus openbox, plank, tint2, pcmanfm und compton; wie oben auf dem Screenshot.

Vor allem MATE ist mit 224MB RAM ein Augenöffner! Es ist zukunftskompatibel, da es schon in der nächsten Version komplett auf GTK3+ umgestellt wird und spielt in der gleichen Liga wie LXQT, ist aber schon deutlich ausgereifter. Eine dritte Option ist ein selbst zusammen gestellter Desktop wie oben im Bild, basierend auf Openbox.

Ergebnis

Nachdem ich zwei Wochen Debian stretch mit Mate nutze, habe ich mir tatsächlich einen eigenen Desktop mit Openbox aufgebaut. Vom RAM her letztendlich kein großer Gewinn gegenüber LXDE oder MATE; fertig installiert mit zusätzlich conky, Hintergrundbild, Policykit und Dropbox (alleine dieser Dienst frisst über 100MB RAM) komme ich auf 350MB (used). Zugegeben; er sieht noch ein wenig langweilig aus. Aber alles was ich brauche funktioniert und rennt wie Sau! :)


Abbildungen:
[1] Comicfigur gezeichnet von Dirk Schmitt für diese Seiten, © H. Felder
[2] Screenshot einer selbst zusammengestellten Desktop-Umgebung

nach oben